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Fan der Turbine

Erfahrungsbericht von Arndt Hovestadt

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Arndt Hovestadt kurz vor dem JS1-Erstflug.

Anfang September kam der Anruf von M&D Flugzeugbau: „Willst du die JS1 21 Meter mit Jet-Triebwerk fliegen?“ tönte es aus dem Hörer. Endlich. Jet fliegen. Seit vier Jahren beobachte ich die Entwicklung der Turbine. Warum? Weil es die beste Lösung für Wettbewerbsflieger ist. Und weil es unter weiteren Vorteilen die einzige machbare Nachrüstmöglichkeit für Segelflugzeuge bedeutet. Außerdem weckt das Flugzeug Begehrlichkeiten. Es gewinnt einfach am laufenden Band und alle darauf geflogene Piloten haben hochgebogene Mundwinkel.

Wenige Tage später stehe ich in Friedeburg am Start. Es gibt eine präzise Einweisung von Keno Doden, der die JS1 schon erfolgreich im Wettbewerb eingesetzt hat. In der Konfiguration 21 Meter mit 100 Litern Wasser und einem vollen Kraftstofftank geht es in die Luft, eine Morane schleppt mich. Bereits wenige Meter in der Luft fühle ich mich im bequemen Cockpit der JS1 zuhause. Ruderbefehlen folgt der Flieger prompt und man muss sich durch den Blick aus dem Cockpit überzeugen, tatsächlich in einer Offenen Klasse zu sitzen.

In 600 Meter trenne ich die Verbindung. Bei eher mäßigem Wetter halte ich es nicht lange aus, es reizt einfach zu sehr. Ok, „get the jet“. Die Speed halte ich bei etwa 135 Km/h.

Systemstart ohne Rätsel

Da mir die Bedienung von LX NAV-Geräten (das Systemdisplay ist eine Entwicklung von LX NAV) sehr vertraut ist, gibt die Bedienung keine Rätsel auf. Linker Schalter: „Systemstart“. Nach etwa 10 Sekunden ist der Rechner hochgefahren. Das Display informiert über Tankinhalt, Betriebszeiten, Temperatur, etc. Der rechte Schalter steht noch in der unteren Stellung, also auf „eingefahren“. Über die Mittelstellung (ausgefahren) hinaus schalte ich direkt auf die obere Stellung „Ausfahren und Starten“. Einfacher geht es nicht. Aber wo bleibt der Widerstand? Man hört nur, dass sich im Rumpf etwas bewegt, aber es gibt keine Nickbewegung oder ähnliches.

Es folgt -automatisch- das für eine Turbine übliche Startgeräusch. Dieses unterscheidet sich kaum vom Startgeräusch einer Verkehrsmaschine und macht tüchtig Eindruck auf mich. Nach einigen Sekunden folgt das ebenso voluminöse wie typische Fauchen. Beim Starten des Systems ging keine merkliche Höhe verloren, es sind etwa 40 Sekunden vergangen. Der Schub liegt im „Standgas“ bei 30.000 U/min. Mit dem Drehregler vergrößere ich diesen Wert auf 95.000 u/min. Vollgas. Mit runden 2 Metern steigt die JS1 nun, der Fahrtmesser zeigt etwas über 140 Km/h.

Der Jet ist im Cockpit nicht zu laut, trotzdem ist es für den Funkverkehr praktisch ein Headset zu tragen. Nach dem Erreichen von 800 Metern wechsle ich vom Steigen in den Horizontalflug.

Die Bedieneinheit informiert über alles Wesentliche. Kurze Zeit später liegen über 200 Km/h an. Reiseflug. Meine Güte, macht das Spaß. Der Antrieb ist ausgesprochen stark und so überhaupt nicht mit Turbos zu vergleichen.

Wenigstens kurz möchte ich auch den Flieger an sich testen. Das Herunterfahren der Turbine ist kinderleicht. Obwohl es nicht sein müsste, reduziere ich zunächst wieder auf Standgas und stelle den rechten Schalter auf „Eingefahren“. Der Rest geht vollautomatisch. Sobald die Turbine abgekühlt ist, was etwa eine Minute dauert, zeigt das System eingefahren“ auf dem Display. Der Linke Schalter fährt das System herunter. Ab in die Thermik. Der Flieger geht fantastisch und fliegt selbsterklärend, aber das hier soll ja ein Erfahrungsbericht über den Antrieb sein, also wieder zurück zum Wesentlichen. Insgesamt sechs mal in zweieinhalb Stunden starte ich in unterschiedlichen Höhen das Triebwerk, auch kurze „Reiseflüge“ kann ich dabei erleben.

Antrieb ohne Kompromisse

Der Jetantrieb überzeugt mich ohne Einschränkung. Er ist sicherer als herkömmliche Systeme. Kein „Anstürzen“ ist notwendig, die Leistung ist nach 40 Sekunden da. Die Turbine erzeugt kaum Strömungswiderstand, reduziert den Gleitwinkel nicht merklich und ist kinderleicht zu bedienen. Er ist kräftig und hat ausreichend Kraftstoff (Diesel) für 100 bis 200 Kilometer je nach Nutzungsweise an Bord.

In der JS1 ist der Antrieb absolut zuhause. Die Aus- und Einfahrkinematik ist bis ins Detail schön konstruiert. Alles ist präzise, leise und strömungsoptimiert. Die JS1 ist für diesen Antrieb gebaut. Der systemspezifisch höhere Verbrauch wird durch die Steig- und Horizontalgeschwindigkeiten ausgeglichen. Dazu ist dem System ein gewisses Gefühl von Lebensqualität nicht abzusprechen.

Weitere Erfahrungsberichte


  • Die JS1 ist einfach eine dieser Konstruktionen, die man unbedingt geflogen haben muss. Dieses Sportgerät erfüllt für mich die Aspekte eines echten „Schiffes“ gepaart mit einer hohen Agilität. Einfach ein toller Fluggenuss.

    Peter Fischer
  • Man setzt sich rein und fühlt sich wohl. Das Gleiten fühlt sind gar nicht mehr an wie mit einem Segelflugzeug und das Kurbeln bringt einfach nur Bock. Fühlt sich einfach toll an!

    Frerk Christopher Frommholz
  • You can feel the passion and the sensitivity of the Jonker brothers and their team, that they have incorporated into their designs when you fly with this glider.

    Uli Schwenk
  • Dieses Flugzeug ist für hohe Geschwindigkeiten gebaut. Ohne Anstrengung und mit konservativem Flugstil waren hier 134 Km/h drin. Tagessieg.

  • Der Jetantrieb überzeugt mich ohne Einschränkung. Er ist sicherer als herkömmliche Systeme. Er ist kräftig und hat ausreichend Kraftstoff (Diesel) für 100 bis 200 Kilometer je nach Nutzungsweise an Bord.

    Arndt Hovestadt
  • The JS1 soon showed its impressive potential, consistently pulling away from comparable gliders as we carried out long glides throughout the speed range in good soaring conditions.

    Andy Davis